Feines Haar Teil I: Der richtige Haarschnitt

Da ich schon öfters darum gebeten wurde, will ich heute nun endlich mit meiner Reihe „Tipps für feines Haar“ beginnen. Der folgende Eintrag wird zwar etwas länger (sorry dafür), aber ich hoffe doch informativ. Also los geht’s!

Leider wurden nicht alle mit schönen dicken und kräftigen Haaren gesegnet. So auch ich.

Derzeit helfen mir meine Echthaarextensions zwar über die klägliche Haarpracht hinwegzutrösten (ich mag mich gar nicht mehr ohne Extensions vorstellen), aber das ändert leider nichts daran, dass ich eben immernoch feines Haar habe. ^^°

Wenn ich mal so drüber nachdenke, verbringe ich die meiste Zeit damit, meine Haare je nach Tagesfeeling gebändigt zu bekommen. Ich kann euch sagen, dass kann einem schon am frühen Morgen den Tag ordentlich vermiesen!

Zu allererst müssen wir deshalb erst einmal schauen, welche Frisur für unsere Haarstruktur geeignet ist, um sich auch Morgens das Leben schon angenehmer zu machen! ^^

Oh aber bevor ich es vergesse. Ein paar Fragen müssen wir vorab noch klären:

WAS IST DENN FEINES HAAR ÜBERHAUPT?
Feines Haar ist nicht zu verwechseln mit dünnem Haar. Man bezeichnet Haare als „dünn“ wenn pro Quadratzentimeter relativ wenig Haare wachsen. Als „fein“ dagegen werden Haare bezeichnet, wenn der Durchmesser der einzelnen Haarsträhnen nicht breiter als 0,04 Millimeter ist. Normales Haar befindet sich im Schnitt etwa bei 0,05 bis 0,07 Millimeter und dickes Haar fängt bei 0,08 Millimeter breite an.

UND WOHER WEISS ICH OB ICH DÜNNES ODER FEINES HAAR HABE?
Um es ganz genau sagen zu können, müsste man wohl einzelne Haarsträhnen unter einem Mikroskop betrachten, dass wir nun jetzt aber nicht unbedingt in unseren Zimmern / Wohnungen rumliegen haben. Es gibt aber eine Methode um seine Haare recht genau zu typisieren.

Das Copyright des folgenden Textes liegt bei Emichiee, die diese Anleitung im sehr informativem Haarforum veröffentlicht hat.
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WIE BESTIMMT MAN DIE HAARSTRUKTUR?

haare01© Rainer Sturm / PIXELIO

I. DIE WELLIGKEIT
Hier gibt es 4 Kategorien mit jeweils 3 Unterkategorien

1. Die Glatten
1a – Sehr glatt und gerade ohne eine Welle oder Knick von oben bis unten. Dieser Haartyp ist ein Extrem und seltener als er oft eingestuft wird. Ein 1a hat keinen Schwung, keine Drehung an den Spitzen, auch nicht im kurzen oder gestuften Zustand oder wenn es regnet. Das Haar ist immer gleich und wird in den USA auch als „dead straight“ betitelt.

1a-b – Wenn man mehr Schwung als 1a hat aber weniger als 1b passt man hier rein. 1b – Immer noch glatt aber mit einem leichten Schwung der etwas Fuelle gibt. Leider wird der Schwung oft mit einer Welle verwechselt was nicht ganz richtig ist. Vielmehr ist die Haaroberfläche gebogen was optisch trotz glatten Haares Volumen gibt. Die Spitzen biegen sich oft auch etwas.

1b-c – Wenn ihr den Ansatz einer Welle habt aber nicht genug für 1c gehört ihr hier rein.

1c – Glatt mit ein paar leichten S- Foermigen Wellen. Die Wellen sind eher seicht und ausgekämmt noch seichter, auch sind sind sie lang statt eng und ziehen sich so gleichmässig durch’s ganze Haar. Viele meinen die Wellen sehen eher wie Knicke aus statt Wellen.

1c-2a – Wenn das Wellenmuster schon etwas regelmäßiger und ausgeprägter ist, als nur ein seichter Knick, aber noch keine richtigen Wellen ergibt.

2. Die Welligen
1c-2a – Wenn das Wellenmuster schon etwas regelmäßiger und ausgeprägter ist als nur ein seichter Knick, aber noch keine richtigen Wellen ergibt.

2a – Loose weiche S-Wellen durch’s ganze Haar. Loose heisst, die Wellen sind nicht besonders tief und eher länglich. Keine Kringel oder Löckchen vorhanden. Wellenmuster noch etwas unregelmäßig.

2b – Etwas engere, ausgeprägtere S-Wellen (ähnlich wie nach dem Flechten). Ein bisschen tiefer und das Wellenmuster ist regelmäßig, d.h. die Wellen ziehen sich gleichmäßig von links nach rechts durchs Haar. Andeutungen von Kringeln und Flips vorhanden.

2c – Ausgeprägte S- Wellen mit ein paar Flips oder Spiralen. Das Wellenmmuster ist tief und die Wellen sitzen eng beieinander.

2c-3a – Wenn eure Wellen sich schon aufällig oft zu Locken kringeln.

3. Die Lockigen
2c-3a – Wenn eure Wellen sich schon auffällig oft zu Locken kringeln.

3a – Große lockere Spirallocken. Wird oft noch mit Wellen verwechselt, hat aber bildlich eben keine Welle mehr, sondern schon Kringel weitgehend durchs Haar verteilt. Kleine Korkenzieher hier und da zu sehen.

3a-3b – Wenn sich euer Haar nicht zwischen a und b entscheiden kann.

3b – Elastische etwas kleinere Spirallocken. Deutliche Locken mit einigen Korkenziehern und weniger grossen Spiralen

3b-c – Mehr kleine Spiralen als 3b aber noch keine ganz engen Korkenzieher.

3c – Enge Korkenzieherlocken fast wie aufgedreht, sehr gleichmässig in Größe und Abstand.

3c- 4a – Wenn eure Locken schon so eng sind, dass sie fast kraus sind.

4. Die Krausen
4a – Sehr Kleine enge Ringellocken. Die Haare sind sehr voluminös, ausgekämmt sehen diese Locken buschig und krauser aus. Mit Feuchtigkeit ziehen sie sich zusammen.

4a- b – Wenn eure Haare teils kringelig und teils schon fast Z-förmig erscheinen.

4b – Sehr enge Ringellocken die Z- förmig erscheinen. Noch am aussersten Ende von Locken, fast schon eher eine Krause oder Afro. Kann durch Stylen in beide Richtungen beeinflusst werden. Haare wachsen eher nach oben.

4b-c – Wenn ihr schon mehr Krause als 4b habt, aber glaubt es gibt Krausere, passt ihr hier rein.

4c – Starke Krause, die Haare sind stark Z-förmig, Immer stark gekräuselt, Haare lassen sich nicht zu Locken oder Kringeln stylen. Die Textur wirkt sehr dicht und undurchlässig. Rausgewachsen hat das Haar sehr viel Volumen und wächst nach oben.

Volumen:
Wellige und lockige Haare erscheinen optisch voller als glatte Haare. Das ist ganz einfach zu erklären. Wellige Haare brauchen einfach mehr Platz und kreieren sozusagen einen Luftraum zwischen den einzelnen Haare. Glatte Haare liegen alle gerade aufeinander und sehen selten nach mehr aus als sie sind.


II. DER DURCHMESSER:
Hier geht es darum wieviel ein einzelnes Haar misst. Es gibt 2 Methoden das festzustellen, eine davon ist exakt die andere eher vage. Dadurch weiss man ob jemand feine, mittelstarke oder starke Haare hat.

Messen mit einem Micrometer:
Ein kleines Gerät was auch mancher gute Frisör benutzt (gibts auch bei ebay oder im Internet).

Das Haar wird zwischen 2 Polen eingeklemmt und exakt ausgemessen. Die Werte sind wie folgt:

Fein (F) = 0.01mm- 0.04mm
Mittel (M) = 0.05mm- 0.07mm
Stark (C) = 0.08mm +

Ohne Micrometer:
F- Fein (fine)
Feine Haare die fast transparent wirken wenn sie gegen Licht gehalten werden. Selbst gegen einen andersfarbigen Hintergrund gehalten sind sie nicht sehr auffällig. Skandinavische Typen haben oft feine Haare. Man kann auch ein einzelnes Haar zwischen daumen und Zeigefinger hin und her rollen. Feine Haare sind fast nicht fühlbar oder fühlen sich wie ein dünner Seidenfaden an.

M- Mittel (medium)
Haare sind weder fein noch stark. Man kann es fühlen aber es fühlt sich nicht drahtig oder rauh an. Gut sichtbar wenn gegen einen hellen Hintergrund gehalten. Viele Kaukasoide Typen haben diesen Haartyp. Aber auch in Asien und im Orient kommt der M- Typ häufig genug vor.

C- Stark (coarse) Dicke Haare die deutlich sichtbar sind wenn sie vor einen hellen Hintergrund gehalten werden. Zwischen Daumen und Zeigefinger fühlt es sich fast etwas ‚drahtig‘ an. Viele Asiaten oder Indianische Menschen haben diesen Haartyp, aber auch Europäer haben des öfteren mal C Haar.

Struktur:
Nicht immer aber oft haben feine Haare eine niedrige Friktion und Starke Haare eine erhöhte Friktion. Starke Haare können zu Trockenheit neigen. Feine Haare müssen besonders sanft behandelt werden damit sie nicht brechen. Mittlere Haare sind etwas dazwischen, aber Ausnahmen gibt es natürlich viele.


III. DAS GESAMTVOLUMEN:

Ein Grund dafür warum viele Haare in die falsche Kategorie einordenen, ist weil oft die Stärke und das Gesamtvolumen verwechselt werden. Während Stärke den Durchmesser einzelner Haare beschreibt, bedeutet Gesamtvolumen wie viele Haare man nun wirklich auf dem Kopf hat. So kann es zum Beispiel Menschen mit Haaren so dick wie Draht geben die aber trotzdem eine dünne Mähne haben oder umgekehrt.

Um das Gesamtvolumen zu ermitteln Haare zurück kämmen und einen sauberen Pferdeschwanz im Nacken binden oder die Haare fest eindrehen. Dann ein Massband nehmen und herumlegen um den Umfang zu messen (ohne Gummiband, also dahinter ;-)) wer an Waschtagen mehr misst weil die Haare sich aufplustern kann davon ausgehen dass der völlig komprimierte Wert akurat ist.

i (dünn , 4,5cm und drunter)
i- ii (dünn – mittel, 4,6 – 6,5cm)
ii (mittel 6,6 -9,5cm)
ii/ iii (mittel – dick, 9,6 – 10,5cm)
iii (dick 10,6 cm und drueber)

Das Gesamtvolumen lässt sich schwierig mit dem bloßen Auge beurteilen. Manche Haare sehen einfach ‚fluffiger‘ aus als sie sind oder wirken durch besondere Glätte weniger. Deswegen ist diese Methode wirklich sehr sinnvoll um auch Veränderungen in der Dicke zu beobachten.
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Ich hatte den Test bereits vor einiger Zeit durchgeführt und bei mir kam raus:
1c/2a F/M i

Nun haben wir es auch noch schwarz auf weiß. Wir haben feines Haar und müssen lernen, damit richtig umzugehen.

Also zurück zum eigentlichen Thema:

Das A und O bei feinen Haaren ist die richtige Frisur.
Viele wollen einfach nur einen bestimmten Schnitt, den sie entweder mal bei einem Promi oder der Freundin gesehen haben und denken gar nicht darüber nach ob dieser Schnitt überhaupt für die Haarstruktur geeignet ist.

Fakt ist: Mit feinem Haar haben wir leider nicht so viel Spielraum, wie die Mädels und Jungs mit dicken oder kräftigem Haar.

Ich will euch nichts vor machen. Klar bin ich auch öfters mit meinen ausgedruckten Promifotos zum Friseur gerannt, voller Vorfreude, dass ich gleich auch so toll aussehen werden und war im Nachhinein enttäuscht, dass es einfach nicht so aussehen wollte, wie auf dem Foto!

Meine Haare sind da mit einer der Extremfälle:
– Sind meine Haare zu lang, brechen sie ab einer bestimmen Länge einfach von alleine ab
– Sind meine Haare zu stufig geschnitten, sehen die längsten Haare einfach nurnoch fusselig aus und lassen sich nicht mehr stylen

Feine Haare sind leider weder für Langhaar-Frisuren geeignet noch für extrem durchgestufte Schnitte (Ausnahmen sind hierbei extreme Kurzhaarfrisuren).

Ich habe sehr lange gebraucht um zu dieser Erkenntnis zu kommen oder sollte ich es anders sagen: Ich wollte es einfach nicht akzeptieren! ^^

Deshalb hab ich euch mal die folgenden 3 Haarschnitte rausgesucht (aus Lizensgründen leider ohne Fotos, schaut einfach mal bei Google vorbei), die zum einen super für feines Haar geeignet sind und zum anderen auch noch gut aussehen.

Der Pixie Cut:
Etwas für Mutige und nicht zuletzt Mädels, die auf Kurzhaarfrisuren stehen UND die auch die passende Gesichtsform haben. Nicht jedem steht der Pixie, weshalb man da wirklich vorsichtig sein sollte. Erwischt man z.B. die falsche Länge für seine Gesichtsform, kann man schnell wie ein Kerl aussehen (es soll aber auch Mädels geben, die das beabsichtigen ^^°).

Der Bob:
Auch wenn es im ersten Moment langweilig klingen mag, aber den Bob gibt es in unzähligen Varianten und ich finde er macht ordentlich was her. Mir gefällt die mittellange Variante mit Wellen davon am Besten.

gestufter Haarschnitt (mittellang):
Wem die Form des Bobs nicht zusagt, kann natürlich auch auf einen Stufenschnitt zurückgreifen. Hierbei ist aber zu beachten, dass lediglich leicht gestuft werden sollte und vorne am Besten erst ab Kinnhöhe. Bitte sagt auch eurem Friseur, dass er es doch bitte vermeiden soll hier noch großartig die Stufen auzudünnen. Den Friseuren scheint es spaß zu machen mit dieser Scherenklinge durch die Haare zu ratschen, bis wir vor Schmerzen das Gesicht verzerren, aber bei unseren feinen Haaren brauchen wir nicht noch klingen, die diese noch feiner erscheinen lassen!

So, nun hab ich euch aber genug zugetextet. Das war es mit Teil I meiner Reihe „Tipps für feines Haar“. Ich hoffe mein Beitrag hilft euch schonmal weiter und es würde mich freuen Feedback zu bekommen!
unterschrift02

9 Responses
  • Bea
    Dezember 13, 2013

    toller post! echt interessant, dass du das thema „haare“ mal ein weing auseinander genommen hast, ich hab von den ganzen typen vorher noch nie was gehört :)
    Vielleicht schaust du auch mal bei mir vorbei, ich würde mich freuen :)
    Liebe Grüße,
    Bea von
    fantasy-meets-reality.blogspot.com

    • ManaNeko
      Dezember 23, 2013

      Freut mich, dass er dir gefällt. Ich finde es war mal Zeit, dieses leidige Thema etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. :)

  • Michelle
    Dezember 13, 2013

    Ein wirklich toller und interessanter Post:)
    Alles Liebe
    Michelle

  • Saskia
    Dezember 13, 2013

    Toller Post! Man richtig wie viel Mühe du dir mit dem Artikel gemacht hast!

    • ManaNeko
      Dezember 23, 2013

      Vielen Dank. Schön, dass man es auch merkt. :)

  • Angela Gebert
    Januar 7, 2015

    Vielen Dank! Endlich bin ich mir absolut sicher darüber dass ein Bob bei meinem feinen Haar am besten zur Geltung kommt!

  • Emi (Emichiee)
    Juni 2, 2016

    Hallo! Schön dass Dir meine Einteilung der Haartypen gefallen hat!
    Zu feinem Haar wollte ich noch eins sagen – Zwar gibt es feine Haartypen die Probleme haben lang zu werden, es ist aber trotzdem durchaus möglich. Feine Haare brechen und splissen nicht sooo viel einfacher wie M oder C Haare. Meist steckt hinter Haarbruch eine gesundheitliche (oft hormonelle, oder ein Mangel) Komponente dahinter. Auch muss das Haar nicht zwingend ausdünnen. Ich kenne viele Langhaarmädels mit feinem Haar die einfach nicht viel „Taper“ haben, heisst die Haare dünnen nach unten kaum aus weil sie gleichmässig wachsen und nicht zahlreich ausfallen.
    Taper kann genetisch, oder eben auch wieder gesundheitsbedingt sein. Extremer Taper is m.M. nach nie genetisch. Ich hatte eine Zeit erhöhten Haarausfall durch Schuppen, was ein normaler Mensch nie bemerken würde…es war in Wirklichkeit ein schuppiger Pilz. Durch den erhöhten, aber nicht extremen Haarverlust waren die Längen nie dicht.

    Übrigens, toller Blog! Alles Gute!
    Emi Longhaired at Heart / Silberīn Mānelieht

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